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Abb. 1: Frankfurt am Main Bockenheim, Mai 2014

Dieses Modell (Abb. 1) ist mir sozusagen vor der Haustür begegnet.
Zu sehen ist hier ein Haar-Trend, der immer häufiger von der Fashion-Industrie aufgegriffen wird und als Gegenentwurf zum bisweilen etwas ,ungepflegt‘ erscheinenden Hipster-Style der 2000er gesehen werden könnte.
Der längere Bart ist in der Gesellschaft angekommen und hat sich dort etabliert, auch sind Tattoos mittlerweile derartig häufig in unseren Sehgewohnheiten, dass man sie nicht mehr unbedingt als Teil eines jugendlichen Rebellionsbestrebens sehen kann.
Die ,Dudes‘ von einst sind erwachsen geworden, haben einen Job, eine Familie, aber aussehen wie jedermann ist immer noch keine Option.
Auf der Arbeit werden Tätowierungen nicht mehr versteckt, sie werden offen getragen – auch zum Anzug (Abb. 2).
Die Haare erschienen gepflegt und mit Pomade gezähmt, der lange Bart wuchert nicht wild, sondern wird ,gegroomt‘, also in Form gebracht, mittlerweile wird dem Herrenfach im Friseurhandwerk wieder mehr Bedeutung beigemessen und spezielle Herrenfriseure spezialisieren sich auf diesen Style.
Wurde zu der Zeit, als ich meine Ausbildung vor zehn Jahren absolvierte das Rasieren eines Bartes bereits gar nicht mehr unterrichtet, erfährt diese klassische Kunst zur Zeit ein starkes Revival.
Pioniere auf diesem Gebiet sind die Rotterdamer Schorem Haarsnijders en Barbiere, ein kleiner Laden in Rotterdam, der einen derartigen Kultstatus erreicht hat, dass Kunden für einen Besuch gerne Wartezeiten von bis zu 5 Stunden in Kauf nehmen.
Frauen haben dort keinen Zutritt und statt Latte Macchiato wird den Gentlemen
Bier und Whiskey kredenzt.
Zur Auswahl stehen 12 klassische Herrenfrisuren, nicht mehr und nicht weniger, die auf einem Plakat aufgezeigt werden. Kunden sind Herren jeglicher sozialen Schicht – vom Business-Man bis zum Rocker oder Rockabilly.
Die Mitarbeiter tragen ausnahmslos Hemd und Fliege, sowie einen weißen Kittel (Abb. 3).
Erinnert hat mich diese Bewegung an die Sapeurs im Kongo (Abb. 4), von denen ich in einem Seminar gehört habe und die ebenfalls einen großen Einfluss auf die Modewelt hatten.
Hier gehört der perfekt sitzende Anzug zur Lebensphilosophie, trotz der Armut der Träger möchten sie auf einen klassischen Style nicht verzichten.
Aussehen wie ein Gentleman, also wie ein Ehrenmann, ist wichtig, ganz gleich, welchen sozialen Satus man erfüllt. Parallelen könnte man hier auch zur Dandy-Bewegung Mitte des 18. bis Anfang des 19. Jahrhunderts ziehen.

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Abb. 2: Model der Modemarke Asos

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Abb. 3: Mitarbeiter der Schorem Haarsnijders

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Abb. 4: Sapeurs in Brazzaville

Beitrag von Daniela Herzog

Quellen:
http://www.sosmitmensch.at/site/momagazin/alleausgaben/21/article/281.html (letzter Zugriff: 04.06.2014) .
http://www.spiegel.de/panorama/schorem-barbershop-in-rotterdam-rasieren-im-stil-der- fuenfziger-a-954927.html (letzter Zugriff: 04.06.2014).

Abbildungen
Abb. 2: http://www.asos.de/ASOS-Eng-geschnittener-Blazer-aus- Jersey/147kyp/?iid=4052330&cid=5678&sh=0&pge=0&pgesize=36&sort=- 1&clr=Oatmeal&mporgp=L0FTT1MvQVNPUy1TbGltLUZpdC1CbGF6ZXItSW4tSmVyc2V5L 1Byb2Qv (letzter Zugriff: 04.06.2014).
Abb. 3: http://www.schorembarbier.nl (letzter Zugriff: 04.06.2014).
 Abb. 4: http://www.lepoint.fr/culture/2009-11-06/mon-beau-sapeur/249/0/392820 (letzter Zugriff: 04.06.2014).

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