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Vom 30. April 2014 – 07. Mai 2014 war ich nach 5 Jahren Abstinenz mal wieder in meiner Lieblingsstadt New York. Mein erster Besuch in der Stadt der Städte 1999 war meine erste selbstfinanzierte Reise, die ich mir mit einem Nebenjob bei Schlecker und meinen Abi Geldgeschenken von Oma und Eltern finanziert hatte und bereits zu dieser Zeit war ich vom (Life)Style dieser Stadt absolut fasziniert. Meine beste Freundin lebte zu dieser Zeit in London und trotz meiner Abstammung aus der hanauer Provinz jagten mir größere Städte keine allzu große Angst mehr ein, aber New York war dann doch etwas, mit dessen Ausmaßen ich so nicht gerechnet hatte. Klar kannte ich Hochhäuser aus meinen Besuchen in Frankfurt am Main, aber das eine ganze Stadt nur ausschließlich aus riesigen Häusern bestand war unglaublich (New York war zu dieser Zeit wie für so viele Touristen für mich gleichgesetzt mit Manhattan). Und dann auch noch die wunderschönen Art Deco Exemplare wie das Chrysler Building mit seinen stählernen Radkappen und Kotflügeln nachempfundenen Wasserspeiern oder dem Anfang des letzten Jahrhunderts erbautem Woolworth Building, das mit seinem neo-gotischen Erscheinungsbild (auch genannt „die Kathedrale des Konsums“) wie aus einem Batman-Film entsprungen schien (Abb. 1).

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Abb. 1: links: Chrysler- Building (1928-30); rechts: Woolworth- Building (1911-1913)

Die Hochhäuser in Frankfurt mit ihren sterilen Glasfassaden erinnerten mich Ende der 90er eher an eine Folge aus Dallas oder Denver Clan. Wenn man in solch einer Stadt lebt, passiert es vermutlich von selbst, dass man sich dem kosmopolitischen Style einer solchen Metropole anpasst – allein schon aus dem Drang heraus, mit der wunderbaren Architektur innerhalb und außerhalb der Gebäude zu konkurieren… und aus der Masse der acht Millionen Einwohner herauszustechen. In den 2000er Jahren besuchte ich New York regelmäßig, allein schon um berufsbezogen einigermaßen den Überblick über Trends zu behalten und im besten Falle Deutschland eine Nasenlänge voraus zu sein, denn meiner Erfahrung nach dauerte es ca. fünf Jahre bis ein Trend aus der Großstadt in unserer kleinsten Metropole der Welt, Frankfurt am Main, angekommen war. Und auch dieses Mal wurde ich wieder überrascht. Allerdings weniger von den aktuellen Trends auf der Straße, sondern eher durch das Gefühl durch die Flut von Blogs und viralen (Fashion-)Posts, dass momentan eine relative Gleichschaltung von Tendenzen in der Mode weltweit herrscht. Als ich vor meiner Babypause im Mai 2010 das letzte Mal New York besuchte, zog es mich schon damals eher nach Brooklyn als ins mondäne Manhattan, da dort meiner Meinung nach das besser ,Preis-Leistungs‘-Verhältnis herrschte – und man es auch nicht so weit zum Meer hatte. Eine meiner besten Freundinnen, die mit dabei war, erfreute sich an den vielen Männern mit langen Bärten, Karo-Hemden und Fixie-Bikes, die dem damals noch aktuellen Hipster Trend des 21. Jahrhunderts entsprachen. Mitte der 2000er wurde der New Yorker Stadtteil Brooklyn, besonders Brooklyn-Williamsburg zusammen mit der Stadt Portland im Nordwesten der USA zu einer Art Epi-Zentrum der Hipster Bewegung, die ja keine sein will. Mir haben dort vor allem die preisgünstigen Unterkünfte sowie bezahlbaren Kneipen, Cafés und Clubs interessiert, die Vergleich zu Manhattan ein kleineres Loch in die Urlaubskasse rissen. Zudem fand ich die großen und kleinen Second Hand-Läden wie Fox & Fawn, Stella Dallas oder Beacon ́s Closet erstrebenswerter als die Designerboutiquen der 5th Avenue. Sowohl Williamsburg, als auch das benachbarte Greenpoint stehen jedoch nun seit einigen Jahren unter dem Einfluss massiver Gentrifizierung und so erlebte ich bei meinem diesjährigen New York Besuch eine Überraschung: Von Hipstern weit und breit keine Spur. Wie in vielen Großstädten siedeln sich in Gebieten, wo es sich günstig wohnen lässt und die, wenn auch etwas außerhalb der City gelegen, gute Anbindungen an die Innenstadt haben, häufig Künstler und Kreative aller Art an, da Geld in dieser Bevölkerungsgruppe meist knapp ist und repräsentativem Luxus häufig keine allzu große Bedeutung beigemessen wird. Durch die Künstler wird das Viertel belebt, Kriminalitätsraten sinken durch Eingriff des Staates, eine lebendige Kulturszene entsteht. Die bleibt längerfristig auch Besserverdienenden nicht verborgen- die Mieten steigen durch den Zuzug Wohlhabender, das Viertel wird gentrifiziert, die Avantgarde zieht weiter. In der Ausstellung Esprit Montmartre- Die Pariser Bohème um 1900 z.Zt. in der Frankfurter Schirn wird dieses Phänomen anhand des Beispiels der Künstler am Montmartre ebenfalls thematisiert. Begibt man sich nun in New York auf die Suche nach dem ,Next Big Thing‘, sollte man Flatbush, Bushwick oder Bedford-Stuyvesand aufsuchen, Gegenden, die bei meinem letzten Besuch vor 5 Jahren noch so verrufen waren, dass ich nachts kein Taxi finden konnte, das mich in mein Hostel in Bedford zurück gefahren hätte. Brooklyn Heights, Dumbo und vor allem Red Hook sind weitere Beispiele ehemals stark krimineller und verelendeter Viertel, die eine starke Aufwertung erhalten hatten.
Wie gesagt – keine Bärte und Flanellhemden mehr in Williamsburg, dafür neue Designer Boutiquen, aber auch noch einige mir von früher bekannte Galerien und Künstlerwerkstätten, wie die von Barry X Ball (Abb. 2) oder von weniger bekannten Bildhauern wie Gary Mellon (Abb. 3)  – der für ebendiesen gearbeitet hatte.
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Abb. 2: Barry X Ball: „Sleeping Hermaphrodite“, 2008-2010

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Abb. 3: Sculpture by Gary Mellon

Der Style der Leute im Brooklyn 2014 erschien mir dem derer in Manhattan sehr ähnlich, lässig zwar, aber dennoch durchgestylt, alles soll locker, zufällig aussehen (hoch im Kurs steht skandinavisch inspiriertes, minimalistisches Design von Acne, Maison Martin Margiela oder Dries Van Noten), jedoch steckt allein in den ondulierten Locken der Damen, die die Optik eines Tages am Strand haben sollen, ein Menge Zeit – oder Geld. Extreme Tattoos oder Piercings sucht man vergebens, rote Lippen und pastellblonde Haare sind jedoch nach wie vor anzutreffen. Wenn ich das nächste Mal nach New York fahre, werde ich vielleicht wieder in Bedford- Stuyvesant wohnen- Taxis gibt’s es dort ja jetzt wohl zu Hauf. Bildschirmfoto 2014-06-16 um 00.13.58Bildschirmfoto 2014-06-16 um 00.14.44

Locations: The High Line, Meatpacking District; The Whitney Museum of American Art; NY Subway; Enids Bar, Brooklyn-Williamsburg

Beitrag von Daniela Herzog

Abbildungen:
Abb. 1: http://www.nyc-architecture.com
Abb. 2: http://www.barryxball.com (letzter Zugriff 04.06.2014)
Abb. 3: http://www.garymellon.com (letzter Zugriff: 04.06.2014)

Fotocollagen: Daniela Herzog

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