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Haare in der Renaissance: Botticelli
Dieser Beitrag untersucht, wie Haare in der Malerei der Renaissance dargestellt wurden. Anhand der Kunstwerke des Malers Sandro Botticelli (1444/45-1510) lässt sich dies sehr gut veranschaulichen. Ob es sich um sakrale Bilder, Bilder mit Bezug zur griechischen Mythologie oder Portraits handelt – die detaillierte und kunstvolle Darstellung der Haare bei Frauen, und auch Männern, bedingt geradezu eine Auseinandersetzung mit diesem Thema Haare.

Kurzbiographie des Künstlers
Alessandro di Mariano di Vanni Filipepi, wie der Geburtsname des italienischen Malers Sandro Botticelli lautet, wurde um 1444/45 in Florenz geboren. Er wuchs in der Nähe des Dominikanerklosters Santa Maria Novella auf, und blieb sein ganzes Leben in dieser Gegend. Durch die in der Nachbarschaft wohnenden hoch angesehenen Bürger, wie die Vespucci-Familie, fand er sein leben lang Auftraggeber. Diese vermittelten ihm auch Kontakte zur mächtigen Familie Medici, die damals über Florenz herrschte. Der Maler begann seine Karriere mit der Darstellung religiöser Themen, wie es in der Florentiner Malerei der Renaissance üblich war. Seine Gemälde wurden immer plastischer und somit der gemalte Körper immer ausdruckstärker. Je bekannter Botticelli wurde, desto häufiger wurden die Anfragen bedeutender Personen, die durch den Künstler in einem Portrait verewigt werden wollten. Im Laufe seines künstlerischen Schaffens entstanden auch viele Bilder mit mythologischem oder philosophischem Hintergrund.1

Männerportraits

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Abb. 1: Sandro Botticelli: Portrait eines jungen Mannes, um 1483, 37,5 × 28,2 cm, Tempera auf Holz, London, National Gallery

Das Portrait eines jungen Mannes (Abb. 1) ist eines der späteren Werke Botticellis. Auffällig ist hier, dass der Hintergrund nur aus einer dunklen Fläche besteht und somit die gemalte Person in den Vordergrund gerückt wird.Wie bei den meisten Portraits ist die Sicht auf den Mann frontal. Seine Gesichtszüge sind weich und ebenmäßig und das rote Barett sticht als Farbakzent deutlich hervor. Seine braune Kleidung und sein halblanges braunes Haar heben sich nur leicht von dem dunklen Hintergrund ab. Die weichen Wellen, in denen sein Haar auf die Schultern fällt, wirken sorgfältig frisiert. Die Kleidung und der gepflegte Zustand der Haare lassen darauf schließen, dass der Portraitierte zu einer wohlhabenden Familie gehörte.2

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Abb. 2: Sandro Botticelli: Bildnis des Giuliano de Medici, um 1476-78, 75,5 x 52,5 cm, Tempera auf Pappel- oder Lindenholz, Washington National Gallery of Art, Samuel H. Kress Collection

Eines der berühmtesten Portraits Botticellis ist das Bildnis des Giuliano de Medici (Abb. 2), das den Bruder von Lorenzo il Magnifico (des Herrschers über Florenz) zeigt. Giuliano wurde bei einem Anschlag der Pazzi-Familie ermordet. Auf dem Bild trägt er eine fürstliche Robe in den Farben der Wohlhabenden der Renaissance, Rot und Braun. Im Hintergrund ist eine Flügeltür zu sehen. Die gesenkten Augen könnten als ein Hinweis auf seinen Tod verstanden werden. Der Blick und die Ansicht aus dem Profil sind ungewöhnlich für Portraits dieser Zeit. Die im Vordergrund sitzende Taube könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Trauer im Gesicht des Gemalten sich auf den Tod seiner platonischen Geliebten Simonetta Vespucci bezieht. Der Ausdruck und die Gesichtszüge werden auch oft mit Arroganz gleichgesetzt. In diesem Bild sind die dunklen, halblangen Haare ebenfalls in gut frisierte Locken gelegt. Darin zeigt sich wieder die edle Herkunft des Portraitierten.1

Frauenportraits

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Abb. 3: Sandro Botticelli: Porträt einer jungen Frau (Simonetta Vespucci?), um 1480-14, 82 × 54 cm, Tempera auf Holz, Frankfurt am Main, Städel Museum

Dieses Gemälde zeigt eine unbekannte schöne Frau, die als Simonetta Vespucci (1453-1476) gedeutet wird. Sie galt als schönste Frau von Florenz und war unglücklich mit Marco Vespucci verheiratet. Man nimmt an, dass sie die Geliebte von Giuliano de Medici war. Ihre Kleidung und die kostbare Halskette, wie auch die mit teuren Perlen, Bändern, dem Edelstein und den Reiherfedern geschmückten Haare verweisen darauf, dass es sich um eine reiche Frau handelt. Das blonde, lockige Haar entspricht den Schönheitsidealen der Renaissance. Mit offenem, goldenem Haar wurden in der Regel Nymphen dargestellt. Verheiratete Frauen hatten ihr Haar hochgebunden zu tragen, oder wie im Mittelalter üblich, unter einer Haube zu verstecken. In der Bildmitte zeigt der fliegende Zopf Bewegung an. Einen Hinweis darauf, dass es sich tatsächlich um Simonetta Vespucci handelt, geben die eingearbeiteten Perlenketten, die in ihrer Form den Waben eines Wespennestes gleichen (italienisch: Vespaio-Wespennest). Das Wappen der Vespuccis wird von Wespen geschmückt. Bei der Frisur handelt es sich wahrscheinlich um ein fantastisches Gebilde oder eine Festfrisur, da diese extravagante Art die Haare zu tragen in Florenz um 1480 nicht üblich war.3

Bilder der griechischen Mythologie

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Abb. 4: Sandro Botticelli: Geburt der Venus, um 1482-14, 172,5 × 278,5 cm, Tempera auf Leinwand, Florenz, Galleria degli Uffizi

Die Geburt der Venus (Abb. 4) gehört zu Botticellis Darstellungen einer mythologischen Szene. In dem Bild wird die Landung der Liebesgöttin Venus auf der Insel Cythera dargestellt. Nach ihrer Geburt soll sie laut dem antiken Dichter Homer dort an Land gegangen sein. Botticelli nahm sich Homers Hymne an Venus als Inspiration für sein Bild. Am linken Bildrand fliegen der Windgott Zephyr und die Brise Aura, die versuchen, die Venus an Land zu blasen. Dort sieht man am rechten Bildrand eine der Horen, die Göttinnen der Jahreszeiten. Die Blumen auf ihrem Gewand lassen darauf schließen, dass es sich um die Frühlinggöttin handelt. Sie hält ein Gewand für die nackte Venus bereit. In der Bildmitte steht die Liebesgöttin in einer Muschel. Sie wirkt wie eine antike Statue und erinnert an den Typus der Venus Pudica. Ihre langen blonden Harre fallen in leichten Wellen, locker gebunden, um ihren Körper. Sie versucht mit ihnen ihre Scham zu bedecken. Die rechte Hand legt sie schützend vor ihre linke Brust. Die rechte Brust ist frei. Ihr Blick wirkt romantisch verträumt und entspricht dem Frauenbild Botticellis. Die langen offenen, hellen Haare weisen wieder auf das Schönheitsideal der Antike hin und auf die Nymphenhaftigkeit der Venus.1

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Abb. 5: Sandro Botticelli: Venus und Mars, um 1483, 69 × 173,5 cm, Tempera auf Holz, London National Gallery

Das ebenfalls auf die antike Mythologie bezogene Gemälde Venus und Mars (Abb. 5) hat die Liebe als Hauptthema. Allerdings scheint es Botticelli weniger um die körperliche Liebe von Mann und Frau als um die Liebe zu Gott zu gehen. Im Vordergrund liegen die Liebesgöttin Venus und der Kriegsgott Mars. Die Myrten im Hintergrund sind der Venus geweiht und lassen darauf schließen, dass die beiden sich im Herrschaftsbereich der Liebesgöttin befinden.

Hinter den beiden Göttern spielen zwei Satyrn mit Mars‘ Lanze und seinem Helm. Der dritte versucht ihn zu wecken, indem er in eine Muschel bläst. Ein vierter Satyr ist am rechten unteren Bildrand in seinen Brustpanzer gekrochen. In der rechten oberen Bildecke schwirren Wespen, die wieder ein Zeichen für die Vespucci-Familie sein könnten. Diese war wahrscheinlich Auftraggeber für das Bild. Mars ist fast nackt und tief schlafend dargestellt. Seine Haare sind in brauen Locken frisiert. Er steht als Kriegsgott für das gewaltsame Begehren. In seinem entspannten Schlaf ist er allerdings von der Liebesgöttin erfolgreich davon abgelenkt worden. Venus ist in ein weißes Gewand gehüllt. Dieses, mit Gold verzierte Kleidungsstück, erinnert an antike Gewänder und stellt ihre Unschuld deutlich heraus. Die Perlenbrosche an ihrer Brust ist ebenfalls als Symbol der Keuschheit zu verstehen. Ihre Haare fallen, nur zum Teil offen, über ihre Schultern. Der Rest des goldenen Haares ist sorgfältig zu einer Flechtfrisur gebunden.4

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass in Botticellis Bildern die Haare der Männer eher dunkel (braun oder fast schwarz) und lockig gezeigt werden. Die Haare der Frauen, ob Portraits historischer Personen oder Gemälde mythischer Gestalten, sind fast immer blond und lang und bewegen sich in Wellen um ihren Körper. Das entspricht zum einen den Schönheitsidealen der Renaissance, zum anderen der Fantasie Botticellis.5 

Beitrag von Milena Müller/Redaktion

Barbara Deimling: Botticelli, Taschen, 2005, S.7-11.
http://www.fashionhistory.ch.
http://www.hr-online.de.
Barbara Deimling: Botticelli, Taschen, 2005, S.7-11.
http://www.tagesspiegel.de/kultur/ausstellungen-alt/botticelli-jede-venus-eine-madonna.

Bildquellen:
Abb.1, 3-5: http://www.malerei-meisterwerke.de/bilder/sandro-botticelli.
Abb.2: http://erhard-metz.de.

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