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Scheinbar schon immer besitzen blonde Haare eine spezifische Aussage. Sie werden mit Märchenfiguren1, Göttinnen und verschiedenen Berühmtheiten2 in Verbindung gebracht, deren blondes Haar mit Assoziationen von Sinnlichkeit, Attraktivität und dem Guten aufgeladen sind.3 Ebenso besitzt Blond eine sehr starke Leuchtkraft und Reflexionskraft. Die Haare wirken voluminöser, wodurch die Gesichtszüge manchmal femininer wirken. Es gibt unterschiedliche, teilweise widersprüchliche Klischees über blonde Menschen.4 So werden blonde Haare oft mit einer kindlichen, naiven, ,engelsgleichen‘ Persönlichkeit in Verbindung gebracht. Blond gilt aber auch als sexy. Ebenso findet sich das Bild der ,kühlen Blonden‘, einer Blondine, die als kalt und berechnend dargestellt wird.5

Obwohl es mehr dunkelhaarige Menschen gibt und Natur-Blond relativ selten vorkommt,ist die Farbe anscheinend so begehrt, dass sich jede fünfte Frau blond färbt.7

In Märchen werden die Helden der Geschichten häufig als blond und schön dargestellt, was ihre Güte und Unschuld ausdrücken soll. Hingegen wird die böse Märchenfigur meist als dunkelhaarig und hässlich beschrieben. Nicht nur Rapunzels langes Haar besitzt eine außergewöhnliche Aussagekraft, auch Aschenputtel und Alice im Wunderland werden als die ‚Guten‘ und selbstverständlich Blonden im Märchen bezeichnet. Goldmarie und Pechmarie aus dem Märchen Frau Holle verdeutlichen diesen Aspekt. Goldmarie, die blonde Schönheit, die als fleißig, freundlich und höflich dargestellt wird, darf sich im Goldregen beglücken lassen. Pechmarie hingegen wird als verwöhnt, faul und unfreundlich beschrieben, am Ende wird sie mit Pech überschüttet.Als Ausnahme gilt Schneewittchen, ihre dunklen Haare wirken kontrastreich zur blassen Haut.9

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Abb. 1: Hetepheres II

Im alten Ägypten (ca. 3000 v. Chr.) wollte man sich durch blondes Haar von der Menge abheben. Die Pflanzenfarbe Indigo und Henna wurden zum heller Färben verwendet. Auch wurden neben gängigen schwarzen auch blonde Perücken getragen.10

Hetepheres II (4. Dynastie, Tochter des Cheops) wird auf dem Basrelief, das das Grab ihrer Tochter Meresanch III ziert (Ostfriedhof Cheopspyramide, um 2500 v. Chr.), mit blondem Haar gezeigt. Der leider anonyme Autor einer Internetseite zur Kulturgeschichte des Haares in der Antike vermutet, sie habe eigentlich schwarzes Haar, das mit Henna gefärbt worden sei und so seinen rötlichen Schimmer erhalten habe.11
Tutanchamun und seine Frau Anchesenamun werden dagegen mit tiefschwarzem Haar gezeigt. Die Szene befindet sich auf dem  Goldenen Stuhl, einer Grabbeigabe Tutanchamuns, 18. Dynastie (um 1323 v. Chr.), heute Ägyptisches Museum Kairo.12

In der griechischen Antike wurde ,goldenes‘ Haar mit dem Göttlichen assoziiert, Herrscher trugen zum Großteil blondes Haar. Der Löwe, der ebenfalls als Herrschaftssymbol diente, hat eine rotblonde Farbe und ebenfalls goldenes Fell, das Reichtum und Macht symbolisierte. Diejenigen Herrscher, die nicht naturblond waren, konnten ihr Haar mit Goldstaub aufhellen. Blonde Haare wurden vor allem mit Licht und Sonnenstrahlen verbunden, wodurch Macht und Güte der Herrscher ausgedrückt werden sollten.13

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Abb. 2: Sandro Botticelli: Geburt der Venus (Detail), um 1484 Tempera auf Leinwand, 172,5 cm x 278,5 cm, Uffizien, Florenz

Bereits die Römerinnen im europäischen Mittelalter (500-1500 n. Chr.) bevorzugten blondes Haar. Um dies zu erreichen wurden Heller-Färbungen durchgeführt oder mit Perücken nachgeholfen.14 Später im Römischen Reich (800 v. Chr.-700 n. Chr.) stammte das Haar der Perücken meistens von germanischen Sklavinnen.15 Während der Renaissance waren blonde Haare gesellschaftliches Ideal. Auf Kunstwerken dieser Zeit, wurden attraktive Frauen blond dargestellt. Vor allem die Geburt der Venus (Abb. 2) von Sandro Botticelli (1485) bringt zum Ausdruck, dass vollkommene Schönheit gold-blondes Haar bedingt.16
In der christlichen Tradition wurden blonde Frauen zumeist mit einem sanften, engelsgleichen, entsexualisierten Frauenbild gleichgesetzt, das vor allem Tugendhaftigkeit und Pflichtbewusstsein ausdrückt. Das Färben der Haare galt trotz dieser Aufwertung blonder Haare als unchristlich, es sei ein verbotener Eingriff in Gottes Schöpfung. Die Frau sollte ihr ‚gottgegebenes‘ Erscheinungsbild möglichst nicht verändern.17 Doch nicht nur theologische Gründe wurden gegen das Haarfärben angeführt, auch das Patriarchat sah sich dadurch bedroht: „Es ging dabei in erster Linie um den männlichen Kontrollwunsch über den weiblichen Körper und damit über die weibliche Sexualität. Frauenkosmetik, zu der das Färben der Haare gehört, wurde immer auch mit Prostitution in Verbindung gebracht.“18

Im 20. Jahrhundert waren Blondinen wie Marilyn Monroe (Abb. 3), Brigitte Bardot, Jean Harlow, Grace Kelly, Doris Day, Marlene Dietrich (Abb. 4) und Dolly Parton (Abb. 5) Stars. Sie verkörperten das Ideal eines Sexsymbols, das gleichzeitig häufig als Vorbild für weniger berühmte Frauen galt.19 Marilyn Monroe, Jean Harlow oder Brigitte Bardot hatten eigentlich dunkles Haar, färbten dieses aber eben um des Images wegen.20

Marilyn Monroe

Abb. 3: Marilyn Monroe

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Abb. 4: Marlene Dietrich

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Abb. 5: Dolly Parton

In den 1980er Jahren wurden diese Hollywood-Star-Blondinen von Madonna abgelöst und die Haarfarbe Blond gleichzeitig mit einem neuen Image ausgestattet. Madonna verkörperte das Bild einer unverschämten, aufreizenden und selbstbewussten, provokanten Persönlichkeit, einer Frau, die weiß, was sie will, und das auch durchsetzt.21

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Abb. 6: Madonna, 1980er Jahre

Es gibt viele Klischees und Vorurteile gegenüber Blondinen, wie es unter anderem der Blondinenwitz verdeutlicht. Anscheinend kann Schönheit außerhalb der christlichen Tradition nicht mit Klugheit einhergehen. Die Miss Piggy der Muppet Show22,die Jungfrau Maria oder die Venus von Botticelli verkörpern dabei unterschiedliche Aspekte gleichermaßen konstruierter stereotyper Zuschreibenden.

Beitrag von Lisa Gräff/Redaktion

1 Vgl. Anja Heusel: Blondinen bevorzugt? Der Mythos blonder Haare und seine Bedeutung für die kosmetische Praxis, Oldenburg: dbv 2009, S. 8.
2 Vgl. Kathy Phillips: Blond. Glamour, Glanz und helle Köpfe, Berlin: Nicolai 1999, S. 117.
3 Vgl. Freiburger Dokumentenserver: Aspekte einer literarischen Obsession, das Haar als Fetisch-Motiv des 19. Jahrhunderts, in: http://www.freidok.uni-freiburg.de/volltexte/3287/ (zuletzt abgefragt am 12.06.2014).
4 Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Kulturgeschichtliche Gedanken zum Haar“, in: Meike Allekotte; Christine Vogt (Hg.): Hair! Das Haar in der Kunst. Meisterwerke aus der Sammlung Ludwig – Von der Antike bis Warhol – von Tilman Riemenschneider bis Cindy Sherman. Ausst.-Kat. Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen, Bielefeld/Berlin: Kerber 2013, S.49-61, S. 54.
5 Vgl. Anja Heusel: Blondinen bevorzugt, a.a.O., S. 8.
6 Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Kulturgeschichtliche Gedanken zum Haar“, a.a.O., S. 55.
7 Vgl. Anja Heusel: Blondinen bevorzugt, a.a.O., S. 8-12.
8 Vgl. Kathy Phillips: Blond, a.a.O., S. 24-28.
9 Vgl. Pamela Church-Gibson: „Concerning Blondeness. Gender, Ethnicity, Spectacle and Footballers’ Waves“, in: Geraldine Biddle-Perry, Sarah Cheang (Hg.): Hair: Styling, Culture and Fashion. Oxford: Berg 2008, in: http://www.bergfashionlibrary.com/view/HAIR/HAIR0014.xml (zuletzt abgefragt am 16.06.2014).
10 Vgl. Anja Heusel: Blondinen bevorzugt, a.a.O., S. 45-46.
11 Vgl.http://thehistoryofthehairsworld.com/antichita_2.html, (letzter Aufruf am 23.08.2014).
12 Vgl. http://www.selket.de/pharaonen/tutanchamun/, (letzter Aufruf am 23.08.2014).
13 Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Kulturgeschichtliche Gedanken zum Haar“, a.a.O., S.55.
14 Vgl.Anja Heusel: Blondinen bevorzugt, a.a.O., S. 51 .
15 Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Kulturgeschichtliche Gedanken zum Haar“, a.a.O., S.55.
16 Vgl. Anja Heusel: Blondinen bevorzugt, a.a.O., S. 56.
17 Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Kulturgeschichtliche Gedanken zum Haar“, a.a.O., S.56.
18 Ebd, S.56.
19 Vgl. Kathy Phillips: Blond, a.a.O., S. 102-117.
20 Vgl. Pamela Church-Gibson: „Concerning Blondeness“, a.a.O.
21 Vgl. Kathy Phillips: Blond, a.a.O., S. 108.
22 Vgl. Kathy Phillips: Blond, a.a.O., S. 138.

Abbildungen:
Abb.1: http://thehistoryofthehairsworld.com/antichita_2.html (zuletzt abgefragt am 24.8.2014).
Abb. 2: http://www.onlinekunst.de/gedichte/venus.jpg (zuletzt abgefragt am 15.06.2014).
Abb. 3: http://frenzyofnoise.net/wp-content/uploads/2014/04/Marilyn-Monroe.jpg (zuletzt abgefragt am 14.06.2014).
Abb. 4: http://images6.fanpop.com/image/photos/33100000/Marlene-Dietrich-marlene-dietrich-33156075-1300-1619.jpg (zuletzt abgefragt am 14.06.2014).
Abb. 5: http://www.nndb.com/people/088/000023019/dolly.jpg (zuletzt abgefragt am 14.06.2014).
Abb. 6: http://www.perfecthair.ch/files/BXMediaPlusMasterImage120975file.jpg (zuletzt abgefragt am 14.06.2014).

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