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Grau und braun waren lange Zeit die Farben ungefärbter Kleidung. Grau galt als die Farbe der Armen, bedeutende und reiche Personen trugen traditionell prunkvolle Gewänder in strahlend bunten Farben. Auch im Mittelalter war Grau die Farbe der Bauern, Kennzeichen von Armut.

Im 17. Jahrhundert begann man scheinbar paradoxerweise Perücken grau oder weiß zu pudern. Sie wurden mit Stärke oder Cypanischem Puder geweißt. Die gepuderte Perücke war ein Statussymbol, die gerade den Reichen und Adeligen vorbehalten war. Die Perücke wurde in einem speziellen Raum gepudert, der ,Toilette‘. Das Gesicht wurde durch ,Becher‘ aus dickem Papier geschützt, die Kleidung durch Umhänge (Abb. 1).1

Puderszene

Abb. 1

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Abb. 2

Anfang des 19. Jahrhunderts verschwanden die glänzenden Stoffe, die Rüschen und die Farbe aus der Männermode. Der typische Herrenanzug kam in Mode, mit seinem matten Stoff und dem körperangepassten Schnitt, der im Sommer idealerweise in hellgrau getragen wurde und im Winter vorzugsweise in gemäßigtem Dunkelgrau.2

Laut einer aktuellen Studie nennen nur 3% der Männer die Farbe Grau als ihre Lieblingsfarbe, während sie von Frauen sogar kein Mal genannt wird. Grau wird mit Mittelmäßigkeit, Langeweile, Alter, Unsicherheit, Nachdenklichkeit und Sorgen verbunden.3 Die aus dem gleichen Wortstamm gebildeten Wörter grauenhaft oder grausam werden sehr negativ konnotiert. „(…) Grau als Farbe der Theorie, der Nachdenklichkeit ist der einzige positive Bedeutungszusammenhang dieser Farbe.“4

Egal welche Naturhaarfarbe man hat, im Alter wird jede/r grau. Grau gilt als Farbe der Alten und der Altmodischen. Früher bedeutete in Ehren zu ergrauen ein Leben ohne Skandale zu führen. Heute überträgt man diese Redensart auf jene, die zu ihren grauen Haaren stehen und diese nicht überfärben. Bei Männern werden graue Haare oft als attraktiv und sexy empfunden, anders als bei Frauen, die dann als altmodisch und langweilig gelten.5

„Ein ,graues Haar‘ gibt es in Wirklichkeit gar nicht.“6 Die Haarfarbe grau ist eigentlich eine optische Täuschung, denn sie besteht aus naturfarbenen Haaren und aus weißen beziehungsweise unpigmentierten Haaren, die den Farbstoff Melanin nicht mehr produzieren. Durch die Mischung des naturfarbenen Haares und des weißen Haares wirken die Haare grau.7

Ungeachtet der Negativ-Konnotationen hatte Eveline Hall (Abb. 3/4), die schon als Ballerina, Showgirl und Model gearbeitet hatte, ihren Durchbruch als Model mit Mitte 60. Ihr Markenzeichen sind ihre grauen Haare. Durch die vielen, sich immer wiederholenden Farben der anderen Models erhält ihr Gesicht einen besonderen Ausdruck, denn mit ihren grauen Haaren hebt sie sich von der Masse ebenmäßiger Models ab.8

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Abb. 3

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Abb. 4

Das Beispiel von Tavi Gevinson (Abb. 5) zeigt, das auch junge Menschen graue Haare als modisches Statement tragen können. Die junge Bloggerin trug ihre Haare grau-blau gefärbt, sie malte sich sogar bewusst absichtsvoll Falten, die sie hinter einer Brille versteckte. Stardesignern wie Karl Lagerfeld gefällt der auffällige Look der 17-Jährigen.9

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Abb. 5

Karl Lagerfeld (Abb. 6/7) selbst trägt seinen weißen ,Pferdeschwanz‘ als Markenzeichen, dieser wird täglich mit Trockenshampoo von Klorane behandelt. So erhält er sein weißes Aussehen, denn eigentlich hat Lagerfeld eher graues Haar, welches er selbst nicht mag.10

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Abb. 6

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Abb. 7

Beitrag von Anne Jakobi/Redaktion

1 Vgl. http://thehistoryofthehairsworld.com/haar_18_jahrhundert.html.
2 Vgl. Heller, Eva: Wie wirken Farben – Farbpsychologie – Farbsymbolik – kreative Farbgestaltung. Reinbek: Rowohlt Verlag 1989, S. 217-41.
3 Vgl. Ebd.
4  Ebd.
5 Vgl. Ebd.
6 Dieter Hoch; Manfred Schmock (Hrsg.):  Licht, Farbe, Haarfarbe – Das Fachbuch für den Friseur, Darmstadt: Wella AG.
7 Vgl. Ebd.
8 Vgl.: http://www.zeit.de/video/2013-12/2926487868001/serie-talking-fashion-eveline-hall-ueber-die-grauen-haare-in-der-mode.
9 Vgl.: http://www.spiegel.de/schulspiegel/ausland/generation-millennials-der-hype-um-bloggerin-tavi-gevinson-a-921405.html.
10 Vgl.: http://www.stylebook.de/fashion/7-Stunden-Schlaf-10-Dosen-Diet-Cola-niemals-Heissgetraenke-10-Dinge-die-Sie-noch-nicht-ueber-den-Designer-wussten-59574.html.

Bildnachweise:
Abb. 1: (zuletzt besucht am 08.07.2014).

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