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Die Figur der Loreley ist insofern eine ,Erfindung‘ des romantischen Dichters Clemens Brentano, der sie 1800 schuf, als dass der Name bis zu diesem Zeitpunkt lediglich einen Echofelsen am Rhein, eben diesem, auf dem die Loreley noch heute verortet wird, benannte. In der Ballade Godwi wird von einer schönen Zauberin namens Loreley erzählt. Ihrer Schönheit waren alle Männer verfallen, nur der eine, den sie liebte, erwiderte ihre Liebe nicht. Darüber war sie so unglücklich, dass sie sich von dem hohen Felsen am Flussufer in den Rhein stürzte.
Sehr bekannt ist die Loreley-Adaption Heinrich Heines in seinem Gedicht über die Schönste Jungfrau. Im Buch der Lieder1, welches 1827 erschien, sitzt diese auf dem hohen Felsen über dem Rhein und kämmt ihr goldenes Haar mit einem ebenfalls goldenen Kamm. Elisabeth Bronfen deutet diese Geste der Loreley als „Verwandlung eines alltäglichen Spektakels in eine unheilvolle Geste einer mythischen Gestalt. Jenes Funkeln, das Vergänglichkeit bezeugt, entstammt dem goldenen Geschmeide, mit dem die schöne Loreley sich ihr goldenes Haar kämmt“.2 Außerdem singt sie eine „wundersame Melodei“. Die Schiffer, die den Fluss befahren, sind abgelenkt von der bezaubernden Schönheit, achten nicht auf die Gefahren der Stromschnellen und gehen im wilden Wasser des Rheins unter.

koeler-Lorelei

Abb. 1: Johann Köhler: Loreley von den Mönchen verflucht, 1887, Öl auf Leinwand, 395 x 345 cm, Eesti Kunstmuseum, Tallin

Das Bild von Johann Köler (Abb. 1) ist in zwei Hälften unterteilt. Die eine Seite ist in hellen Pastellfarben, die kühl wirken, gehalten, die rechte Seite in dunklen Rottönen. Loreley, auf einem Felsen sitzend, ist ganz hell dargestellt, nur ihr Haar in kräftigem Kupferton weht auf die dunkle Seite und erinnert an Flammen. Auf dem Kopf trägt sie einen (Jungfern)-Kranz. Loreley ist nackt dargestellt, nur ein transparenter Schal in einem Grünton, der Wasser assoziiert, liegt über ihrem rechten Arm, den sie schon Richtung Wasser ausgestreckt hat. Sie sitzt auf einem Felsen, ist aber gerade im Begriff in die Tiefe hinab zu gleiten. Ihr Instrument, die Harfe, ist bereits in die Tiefe gestürzt. Aus den Wellen, die schon nach ihrem Bein fassen, steigen Nixen, und der Kopf eines Pferdes ist aus dem aufschäumenden Wasser zu erkennen. Sie scheint bedrängt von Mönchen, die auf dem Gemälde die rechte, dunkle Seite des Bildes ausfüllen. Die Mönche erklimmen den Felsen, hin zu Loreley, die ganz auf der höchsten Stelle sitzt, einer zu ihren Füßen streckt ihr ein Kreuz entgegen. Ein zweiter trägt eine Standarte, die ebenfalls mit einem Kreuz geschmückt ist. Hinter ihnen erklimmen noch zwei weitere Männer den Felsen und im Hintergrund scheint es zu brennen.
Auf dem Gemälde von Brendano ist die Loreley wohl eher als Hexe oder als männermordender Vamp zu deuten, dafür spricht vor allem die Haarfarbe: „Rot ist die typische Haarfarbe der Dirnen (…) Rothaarige wurden als Hexen verbrannt…“,3 mit den Kreuzen scheinen die Mönche das Böse austreiben zu wollen.

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Abb. 2: Carl Joseph Bredas: Die Lureley, 1835, Öl auf Leinwand, 124 x136 cm, Kreismuseum Heinsberg

Das Bild von Bregas (Abb. 2) zeigt dagegen eine blonde Loreley, ihre Haare sind zu Zöpfen geflochten, und sie trägt eine Haube, die ihre übrige Haarpracht, bis auf den vorderen Ansatz, verdeckt. Sie sitzt auf dem Felsen und erscheint ganz hell ausgeleuchtet, ihre Haut ist fast weiß. Die Schultern und eine Brust sind nackt, nur ein leichter Schal liegt über der Schulter, ihr Oberteil aus hellem, transparentem Stoff bedeckt gerade noch die linke Brust. Ihr Rock ist aus üppigem rosafarbigem Stoff, nur eine Fußspitze lugt noch darunter hervor. Sie spielt ein Instrument, eine kleine Gitarre, und schaut scheinbar ungerührt in die Tiefe, aus der zwei Männer flehentlich zu ihr hoch schauen, der eine streckt die Hand zu ihr aus. Das Boot der Männer scheint im Begriff zu sinken. Im Hintergrund ist hell der Rhein zu sehen, der mit Bereich, in dem die Schiffer sind, kontrastiert, wo er in dunklen Farben gehalten ist. Dieses Gemälde beschreibt wohl eher das Gedicht Heinrich Heines, die kühle Loreley, die ungerührt zusieht, wie die hilflosen Schiffer mit „wildem Weh“4 im Rhein untergehen. „Der Gipfel des Berges funkelt im Abendsonnenschein“, auch diese Zeile scheinen sich im Bild wiederzufinden.

Aber auch zeitgenössische Künstler_innen befassen sich mit dem Mythos der Loreley. So schuf Terrumanum die unten abgebildete Bürste zur Körperpflege (Abb. 3). Ihre Form erinnert an einen Frauenkörper, die Borsten sind aus den Fasern der Agave gefertigt – Natur und Fraulichkeit werden so in einem Gebrauchsgegenstand zusammengebracht.5

loreleybürste

Abb. 3: Loreley, die Bürste. Designprojekt des Künstlers Ingo Terrumanum

Auch gibt es verschiedenste musikalische Interpretationen des Mythos, die bekannteste ist sicherlich die Vertonung des Heine-Gedichts, zu der Friedrich Silcher 1837 die Melodie schrieb. Ein aktuelleres Beispiel stammt von der Band Pogues auf deren Album Off Peace and Love (1989).

Beitrag von Gabriele Neumann/Redaktion

Heinrich Heine, Buch der Lieder, Anaconda Verlag GmbH, Köln 2005.
http://gutenberg.spiegel.de/buch/389/438Gedicht Lorelei von Heinrich Heine.
http://www.zeit.de/2006/19/F-Lorelei-Kulturwiss__xml
So interpretiert Eva Heller die Symbolik roter Haare ab dem 15. Jahrhundert. Siehe: Eva Heller: Wie Farben wirken. Hamburg:  Rowohlt, 1989, S. 64.
Heinrich Heine, Buch der Lieder, Anaconda Verlag GmbH, Köln 2005.
6  http://www.loreleybuerste.de/uebermich/uebermich.html.

Bildnachweise:
Abb. 1: http://rheinsein.de/tag/roland-bergere/ Johann Köler .
Abb. 2: http://www.kreismuseum-heinsberg.de/gema.swf.
Abb. 3: http://www.youtube.com/watch?v=VDw81PRP2SQQuellen.

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