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Der Friseurberuf im Film ist überaus bedeutend und wurde schon vielfach thematisiert. Die Tätigkeit als Friseur in der Filmbranche ist hinter den Kulissen, als auch in der Rolle vor der Kamera unlängst ein interessantes Thema. Durch besondere Haarschnitte werden Schauspielerinnen und Schauspieler in der Filmindustrie zu bekannten Vorbildern und Leitbildern. In Sachen Mode und Frisuren ist so mancher Akteur mittlerweile gerade durch den Haarschnitt zur Ikone geworden. Filmstars verfügen über eine breite Palette an Frisuren, die zum Markenzeichen avancieren und in den Medien zu wichtigen Ereignissen dargelegt werden. Der Friseurberuf gewinnt an Bedeutung, gerade weil er das Image der Filmikonen stilisiert. Dem Friseur kommt die selbe Aufgabe zu wie der Kostümbildner_innen. Durch das handwerkliche Geschick werden Filmcharaktere und deren Frisuren präziser in Szene gesetzt.1

In vielen Filmen spiegelt die Verkörperung des Friseurs, vor der Kamera, eine tragende Rolle. Sehr interessant ist die Frage warum gerade der Friseur diese Rolle verkörpert. Warum werden nicht andere Berufe in den Filmen dargestellt? Im Folgenden werden verschiedene Charaktere, die in Filmen einen Friseur verkörpert haben, analysiert und beschrieben. Es zeigt auf jeden Fall eine facettenreiche und abwechselnde  Darstellung.

So wurde in dem Film von Joel und Ethan Coen The Man Who Wasn’t There, deutsche Übersetzung: Der Barber, ein postmoderner, kluger Krimi inszeniert. Die Hauptrolle besetzte Billy Bob Thornton (Abb. 1) mit dem Charakter eines ruhigen Friseurs, der vom Äußerlichen eher wie ein Arzt wirkt. Mit seinem weißen Kittel, dem Messer und der Schere in der Brusttasche erscheint sein ganzes Auftreten sehr steril und kontrolliert. Der Arbeitsalltag, in einem mit weißen Kacheln gefliesten Salon, erzeugt eine kalte Stimmung und hat nichts mit einem kundenfreundlichen Friseursalon wie man ihn gewohnt ist gemein. Der Friseur ist in diesem Film sehr introvertiert, mit seinem Leben eher unzufrieden, dargestellt. Er mag keine Gesellschaft, sieht sich selber nicht als Friseur und ist eigentlich nur zufällig in diesem Beruf. Das passt auf den ersten Blick gar nicht zu dem Bild, welches ein Friseur eigentlich verkörpert.

Abb. 1: Billy Bob Thornton, in: The Man Who Wasn’t There

Ein sehr emotionales und dramatisches Thema des Friseurs verkörpert der Film von Patrice Leconte Der Mann der Friseuse (Abb. 2). Dieser Film zeigt auf ruhige und erotische Weise die Geschichte zwischen einem Mann und seiner Ehefrau der Friseurin, sowie den Alltag in ihrem Barbersalon. Der Charakter der Friseurin spiegelt eine ruhige in sich gekehrte Frau, die eine große Wirkung auf ihre Kundschaft hat. Die erste Szene in den Film, die von ihr zu sehen ist, ist eine Aufnahme die ein Teil ihres Beines zeigt. Ihre Kleidung ist niemals zu kurz oder zu eng, aber ihr Körper strahlt überwiegend etwas Erotisches aus. Die Kameraführung und der Lichteinfluss der stets von draußen nach Innen in den Laden scheint bewirkt, dass die Friseurin als eine geheimnisvolle, sinnliche Frau dargestellt wird. In ihrem Salon herrscht stets eine angenehme Atmosphäre. Unbewusst wird eine Intimschwelle, durch die körperliche Nähe zu ihren Kunden überschritten. Dennoch ist diese Körpernähe die tägliche Arbeit des Friseurs/der Friseurin und wird in diesem Film auf erotische Weise thematisiert.

Abb. 2: Jean Rochefort, in: Der Mann der Friseuse

Ein Meisterwerk der Darstellung des Friseurberufs ist in dem Film Marie Antoinette, von Sophia Coppola zu sehen. Ein prunkvoller Film, der all die überladenen prächtigen charakteristischen Merkmale der barocken Kunst und Mode in der Rolle des Hoffriseurs Leonard (Abb. 3) widerspiegelt. Seine extrovertierte Art, die auffällige Kleidung und die vollkommene Überzeugung von sich selbst, ist auch in seinem Handwerk zu erkennen. Er kreiert die prächtig überladenen Frisuren von Marie Antoinette und ist absolut von sich und seiner Arbeit überzeugt (Abb. 4). Gerade durch seinen Kleidungsstil und seiner auffälligen Art wurden Männer wie Leonard als ,Macaroni‘ bezeichnet. Diese spöttische Bezeichnung kam Ende des 18. Jahrhunderts auf und bezog sich auf  Herren, die durch ihre Bildungsreisen nach Europa ausgefallene Mode und Redeweisen sowie Verhaltensweisen mitbrachten.4

Abb. 3: Hoffriseur Leonard

Abb. 4: Chirsten Dunst als Marie Antoinette mit ihrem Hoffriseur Leonard.

Eine weitere charakteristische Verkörperung des Friseurs ist der Film Leg dich nicht mit Zohan an. An diesem Beispiel kommt der witzige humorvolle, in dem Falle auch überzogene Charakter des Friseurs zur Geltung. Die Frauen erleben geradezu eine Extase wenn Zohan die Schere anlegt. Diese Darstellung erinnert in einigen Zügen an Szenen aus dem Film Edward mit den Scherenhänden. In diesem Film wird die gesellschaftliche Stellung und die Beliebtheit des Friseurs überaus humorvoll dargelegt und es wird deutlich wie viel Einfluss ein Friseur auf das Wohlbefinden haben kann.

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Abb. 5: Adam Sandler, als in Leg dich nicht mit Zohan an

Zuletzt ein interessantes Beispiel, wie ein realer Friseur in die Filmindustrie integriert wird, ist der Film Rosemaries Baby (Abb. 6) von Roman Polanski, aus der Romanvorlage von Ira Levin. Es ist keine fiktive Rolle, die in diesem Film zum Thema gemacht wird, sondern es handelte sich um einen realen Friseur der damaligen Zeit. In einer Szene erwähnt Rosemarie, dass ihre Haare von dem Star Friseur Vidal Sassoon geschnitten worden sind: „It’s Vidal Sassoon. It’s very in.“

Der kurzen Pixie-Cut revolutionierte den damaligen Frisurentrend. Das herrschende Frauenbild mit längeren, oftmals in Wasserwelle eingelegten und toupierten Haar erhielt somit einem neuen Look. Das Zusammenspiel mit einem neuen Trend der Haarfrisur und einem Friseur, aus dem realem Leben, thematisiert hier wie der Friseurberuf im Film zur Sprache kommt.

Abb. 6: Vidal Sassoon und Mary Quant, für Rosemaries Baby

All diese Filme zeigen den Friseur in einer jeweils charakteristischen eigenen Rolle. Das Auftreten hinter der Rolle repräsentieren stets eine andere Aussage und lassen sich nicht auf ein festes Bild begrenzen. Es ist auffällig, dass es bis auf einen Film, jeweils Männer sind die diese Rollen verkörpern. Wenn doch in der Realität der Beruf zumeist von Frauen ausgeübt wird. Dennoch spiegeln alle diese verschiedenen Filme die unterschiedlichen Charaktere der Friseure, wie sie es auch in Wirklichkeit gibt.

Beitrag von Elisa Schneider

1 Vgl. Daniel Devoucoux: Mode im Film. Zur Kulturanthropoogir zweier Medien. Bielefeld: Transcript Verlag, 2007 S. 169-170
Vgl.:http://www.anglistik.uni-kiel.de/de/tl_files/Englisches%20Seminar/Fachbereiche/Kultur-%20und%20Medienwissenschaften/Projekte/18th_century_london/mac.html#macaroni

http://archive.org/stream/recollectionsofl00lorich#page/n5/mode/2up sowie http://www.hotflick.net/pictures/005MRA_Kirsten_Dunst_094.html.

Abbildungsnachweise:
Abb. 1: online zugänglich unter: http://www.toutlecine.com/images/film/0000/00004069-the-barber-l-homme-qui-n-etait-pas-la.html.
Abb. 2: online zugänglich unter: http://www.film.at/der_mann_der_friseuse/.
Abb. 3: online zugänglich unter: http://www.pinterest.com/pin/571886852654945709/.
Abb. 4: online zugänglich unter: http://www.movie-infos.net/news_detail.php?newsid=19202.
Abb. 5: online zugänglich unter: http://www.wardrobeofasecretmillionaire.com/wp-content/uploads/2012/05/Vidal+Sassoon+cutting+Mia+Farrows+hair+on+the+set++Rosemarys+Baby+Film+-+1968.jpg.

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