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Auf der Suche nach interessanten Frisuren auf der Straße sind viele auffällige Kurzhaarfrisuren zu entdecken.

Kurzhaarfrisuren in der Vergangenheit:
Kurzhaarfrisuren wurden bei den Frauen zum ersten Mal in der Frisurengeschichte nach der Französischen Revolution getragen. Vor allem war es die Frisur ,à la Titus‘ (Abb. 1), die nach dem römischen Vorbild benannt wurde und viel Aufmerksamkeit erlangte. Madame Rècamier präsentierte in der Öffentlichkeit die kurz gelockte Frisur, die mit Bändern gehalten wurde.1

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Abb. 1: Titusfrisur2

Das Hauptmerkmal der Titusfrisur wurde durch die Unordnung der Haare ausgezeichnet. Dennoch hat die Frisur noch andere Vorteile, wie 1792 erkannt wurde. Üblicherweise wurde der Nacken von langen Haaren bedeckt, doch der freie Nacken, der durch diese Frisur entstand, führte zu einer einfacheren Tötung durch das Fallbeil.3 Im Jahre 1810 hingegen wurden lange Haare bevorzugt. Selbst Mediziner hielten das Abschneiden der Haare nicht für ratsam. Haare schneiden suggerierte damals die Verstümmelung der Körper. Frauen, die sich dennoch dazu entschieden ihre Haarlänge zu kürzen, wurden als dumm bezeichnet.4

Nach dem ersten Weltkrieg (1914-1918) beschlossen viele Frauen, sich erneut von ihren langen Haaren zu verabschieden. Dies wurde mit der pflegeleichten Handhabung begründet. Vor allem junge Frauen sahen die neue moderne Frisur als Ausdruck von Individualität und Persönlichkeit und ließen sich die Haare abschneiden.5

Während der 1920er Jahre waren kurzhaarige und vor allem praktische Frisuren beliebt. Die Stummfilmschauspielerin Asta Nielson (Abb. 2) hat den Bubikopf in der Gesellschaft etabliert und ihm zum Durchbruch verholfen.6

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Abb. 2: Asta Nielson, Bubikopf 7

Aktuelle Kurzhaarfrisuren:
Zunächst begegnet mir Miria aus Aalen, Baden-Württemberg (Abb. 3/4). Durch ihre kupferrote  Haarfarbe in Verbindung mit der frechen Kurzhaarfrisur war sie schwer zu übersehen. Miria trägt einen Undercut, der dunkler abgesetzt wurde als das Deckhaar. Insgesamt trägt sie das Deckhaar voluminös mit einem schrägen, längeren Stirnmotiv.
Kupfrige Haarfrisuren werden in der heutigen Zeit mit Exklusivität und Individualität assoziiert. Doch in der Antike bedeutete diese Farbe oft nichts Gutes. Judas der Verräter wurde rothaarig dargestellt, ebenso wie Hexen. Rote Haare wurden mit Feuer, Hitze und dem Teufel verbunden. Menschen mit dieser Haarfarbe wurden als temperamentvoll und aggressiv bezeichnet.8

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Abb. 3: Miria, Aalen, 4.6.2014, Foto: Lisa Gräff

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Abb. 4: Miria, Aalen, 4.6.2014,Foto: Lisa Gräff

Als nächstes begegnete ich  Reneè in Frankfurt am Main, Hessen (Abb. 5/6). Sie fiel mir durch ihr extravagantes Styling auf. Nicht nur ihr Outfit war ein echter Hingucker, sondern ebenfalls ihre Frisur. Der Bob, den sie trägt, zeichnet sich durch die exakte Schnittlinie aus. Sie trägt einen Pony, der die einheitliche Länge im gesamten unterbricht, jedoch die Symmetrie des Haarschnitts betont.

Natürliche Haarfarben, wie Braun und Schwarz, überwiegen weltweit.9Von vier deutschen Frauen, tragen drei Frauen braune Haare.10 Der  Bob von Reneè erinnert an den kurzen Bubikopf der 20er Jahre.11(vgl. Abb. 2)

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Abb. 5: Reneè,Frankfurt am Main,12.6.2014,Foto: Lisa Gräff

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Abb. 6: Reneè, Frankfurt am Main,12.6.2014, Foto: Lisa Gräff

 

Schließlich traf ich in Heilbronn, Baden-Württemberg, Danny (Abb. 7/8). Ihre blonde Kurzhaarfrisur ist wild gestylt und lässt sich als echter ,Eyecatcher‘ bezeichnen. Danny trägt ebenfalls einen Undercut, der in einem dunkleren Blond betont wurde. Das besondere an ihrer Haarfarbe ist, dass sie den Ansatz in dem gleichen Ton gefärbt hat wie die Konturen und nur die Spitzen heller blondiert sind. Somit wirkt die Frisur außergewöhnlich und absolut stylisch.

Blond suggerierte bereits in der Antike Macht und wurde mit den Göttern und Herrschern in Verbindung gebracht.12

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Abb. 7: Danny, Heilbronn, 13.6.2014, Foto: Lisa Gräff

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Abb. 8: Danny, Heilbronn,13.6.2014, Foto: Lisa Gräff

 

Diese drei Beispiele haben gezeigt, wie unterschiedlich Kurzhaarschnitte bei Frauen sein können und wie individuell sie in Kombination mit Farbe interpretiert werden können.

Beitrag von Lisa Gräff

1Vgl. Christian Janecke: „Haar tragen. Eine kulturwissenschaftliche Annäherung“. Köln: Böhlau Verlag 2004, S. 209.
2Abb. 1: Science Blogs: „Haarige Geschichten: Römischer Kult um die Haare und die Eitelkeit der Männer. Die Kaiserin als Trendsetter“, in:http://scienceblogs.de/beauty-full-science/wp-content/blogs.dir/64/files/2012/06/i-5b475ce61dc5bc30ee2fb9a86c2bbd96-Tituskopf.jpg (zuletzt abgefragt am 15.6.2014).
3Vgl. Christian Janecke: „Haar tragen“, a.a.O., S. 215-219.
4Vgl. Ebd,S.228.
5Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Kulturgeschichtliche Gedanken zum Haar“. In: Meike, Allekotte; Christine Vogt (Hg.): Hair! Das Haar in der Kunst. Meisterwerke aus der Sammlung Ludwig – Von der Antike bis Warhol – von Tilman Riemenschneider bis Cindy Sherman. Ausst.-Kat. Ludwig-Galerie Schloss Oberhausen, Bielefeld/Berlin: Kerber 2013, S.49-61, S.54.
6Vgl. Adolf Attenberger; Gabriele-Viktoria Schultz-Paasch: „Fachkunde für Friseure“. Troisdorf: Bildungsverlag Eins 2004, S. 294.
7Abb. 2: Andreas-Andrew Bornemann: „Postkarten-Archiv“. Asta Nielsen (1881-1972), in: http://www.postkarten-archiv.de/media/images/Ross-Verlag-1770-3.jpg (zuletzt abgefragt am 15.06.2014).
8Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Hair! Das Haar in der Kunst“, a.a.O., S.55.
9Vgl. Ebd, S.55.
10Vgl. Imke Barbara Peters: „Es wächst auf dir“. Köln: Stam Verlag 1997, S. 142.
11Vgl. Annette Geiger: „Der schöne Körper. Mode und Kosmetik in Kunst und Gesellschaft“. Wien, Weimar, Köln: Böhlau Verlag 2008, S.189.
12Vgl. Gertrude Amann-Edelkott: „Hair! Das Haar in der Kunst“, a.a.O., S.55.

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