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Ombre

Abb. 1: Tanja aus Frankfurt am Main

Vor Kurzem war ich zum Haareschneiden bei meiner Friseurin in Frankfurt am Main und habe dort ihre neue Praktikantin Tanja kennengelernt. Tanja hilft seit drei Monaten einmal in der Woche im Salon aus, um den Beruf besser kennenzulernen. Als sie ihr Praktikum anfing hatte sie noch ihre mittelaschblonde Naturhaarfarbe, doch durch die Arbeit im Salon stieg ihr Interesse an einer neuen Haarfarbe. Inspiriert durch eine Abbildung in einer Zeitschrift entschied sie sich für den seit einiger Zeit angesagten Ombré-Look. Bei diesem Look wird die Haarfarbe vom Ansatz zu den Spitzen heller, dabei ist der Farbverlauf fließend und zeigt keine harte Grenze. Zudem wählte Tanja einen intensiven Rotton (Abb. 1), statt der häufig vorkommenden natürlichen Variante in Braun- und Blondtönen (Abb. 2).

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Abb. 2: Jessica Alba, Golden Globes 2013

Die Färbetechnik für diesen Ombré-Look besteht aus drei Arbeitsschritten1

Im ersten Schritt wurde das Haar leicht toupiert, dadurch wird ein Teil der Haare in Richtung der Kopfhaut geschoben und durch diesen Längenunterschied ein weicherer Fabverlauf im Endergebnis erzielt.

Im nächsten Schritt wurden, damit keine harte Kante entsteht, unterschiedlich dicke Strähnen abgeteilt, Blondierung auf die Spitzen aufgetragen und unregelmäßig in das untere Viertel der Haare eingearbeitet. Bei den Haaren am Oberkopf (Deckhaar) wurden für einen weicheren Farbverlauf feinere Strähnen herausgewebt und bearbeitet. Nach ca. 15 Minuten Einwirkzeit wurden die Haare mit einer Wasserspritze angefeuchtet und die Blondierung aus den Spitzen weitere 5 cm Richtung Ansatz eingearbeitet. Nach nochmals 5-10 Minuten Einwirkzeit wurde die Blondierung gründlich ausgewaschen. Beim Blondieren werden natürliche und künstliche (z.B. durch Färben entstandene) Pigmente im Haar aufgehellt (Abb. 3). Die Blondierung wird meist aus einem Blondierpulver und Wasserstoffperoxid (H2O2) angerührt. Das Wasserstoffperoxid gibt es in unterschiedlichen Konzentrationen, je stärker die Aufhellung sein soll, desto höher muss die Konzentration und länger muss die Einwirkzeit sein. Da die Blondierung alkalisch ist (pH 10-11), wird das Haar aufgequollen und dadurch die äußere Schicht (Schuppenschicht) geöffnet. Der Sauerstoff aus dem Oxidationsmittel und dem Blondierpulver verbindet sich mit den Pigmenten im Haarinneren (Faserschicht) und baut sie ab.

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Abb. 3: Haare vor und nach der Blondierung

Im dritten Schritt wurden die gesamten Haare in einem Farbton getönt. Da eine Tönung das Haar nicht aufhellt, bleibt der Ansatz dunkler als die Spitzen. Zu beachten ist, dass die Tönung 2-3 Töne heller ist als der Ansatz, da andernfalls die Spitzen zu dunkel für einen Ombré-Look werden. Nach 30 Minuten Einwirkzeit wurde die Tönung gründlich ausgespült. Eine Tönung enthält nur direktziehende Fertigfarbstoffe. Das bedeutet, dass sich die Pigmente nicht erst durch eine chemische Reaktion bilden (wie beim Färben), sondern das Haar in der Farbe tönen, die die Tönung selbst hat. Die Pigmente lagern sich aufgrund ihrer Molekülgröße und ihrer positiven Ladung nur in den äußeren Schichten der negativ geladenen Haare an (Abb. 4). Tönungen sind auswaschbar und werden nicht mit Wasserstoffperoxid (H2O2) angerührt. Es gibt sie in verschiedenen Präparatformen z.B. Tönungsfestiger, Tönungsshampoo, Tonspülungen und Schaumtönung.

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Abb. 4: Haare nach der Tönung

Da sich die Tönung größtenteils wieder auswäscht, entsteht einerseits beim Herauswachsen keine harte Kante und andererseits kann Tanja beim nächsten Mal einen anderen Ton auswählen, ohne das Haar erneut Blondieren zu müssen.

Beitrag von Claudia Wolfart

1 Als Quelle für die Beschreibung der Produktwirkung diente mir: Atten-berg/Schulz-Paasch: Fachkunde Friseure nach Lernfeldern. Grundlagen und Technologie der Haar- und Hautpflege, Troisdorf: Bildungsverlag EINS GmbH, 2009, S. 197, 217.

Literatur:
Attenberg/Schulz-Paasch: Fachkunde Friseure nach Lernfeldern. Grundlagen und Technologie der Haar- und Hautpflege, Troisdorf: Bildungsverlag EINS GmbH, 2009.

Abbildungen:
Abb.1: Tanja aus Frankfurt am Main, 29.05.2014, Fotografin Claudia W.
Abb.2: Jessica Alba, Golden Globes 2013: http://www.glamour.de/frisuren/starfrisuren/ombre-hair-auf-dem-roten-teppich.
Abb.3: Blondierung: Attenberg/Schulz-Paasch: Fachkunde Friseure nach Lernfeldern, S. 217.
Abb.4:Tönung: Attenberg/Schulz-Paasch: Fachkunde Friseure nach Lernfeldern, S. 197, 199.

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