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Haar können unterschiedliche Strukturen aufweisen. Unter lockigem Haar versteht man, gekräuseltes, leicht gewelltes Haar. Die Geschichte der Locke ist vielfältig: Bis auf eine lange geflochtene Locke, die meist an der rechten Seite des Kopfes saß, ließ man im alten Ägypten etwa eine sogenannte Jugendlocke am sonst kahlgeschorenen Kopf (Abb.1).

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Abb.1: Seitenlocke bei einem Kind, Bust of a young woman, possibly a daughter of Akhenaten or an Amarna-princess

Im 19. Jahrhundert kommt der Locke eine Symbolik der Verbundenheit zu: Verliebte besaßen eine Locke des Geliebten, wenn sie längere Zeit getrennt war. Die Haarlocke wurde als Ohrschmuck, als Uhrkette oder in einem Medaillon getragen. Die als Erinnerung aufbewahrte Locke soll helfen, sich miteinander vereint zu fühlen.
Auch in der iranischen Poesie werden gewellte Locken mit einem Bogen verglichen, der zwischen zwei Punkte gespannt ist, ein Bild dafür, dass zwei Menschen sich lieben. Die Haarlocken sind das Sinnbild der Besiegelung einer Verbindung, die Liebende dazu verpflichtet, sich nie zu trennen. Das Haar ist nicht nur das Zeichen für Lebenskraft und iranischem Schönheitsideal, es wird auch mit dem Schicksal des Menschen in Verbindung gebracht.

Jedoch birgt das lockige Haar kulturgeschichtlich gesehen auch Gegensätze in sich: Auf der einen Seite steht die volle Lockenpracht, vor allem wenn sie natürlichen Ursprungs ist, sowohl für Vitalität, Leidenschaft, Macht und Stärke, wie es im Alten Testament die Geschichte von Samson und Delilah verdeutlicht (siehe dazu den Artikel unter Haar historisch). Auch der Ausdruck ‚Löwenmähne‘ nimmt Bezug auf diese Bedeutungsebene und betont das Wilde und Animalische dieser Frisur. Auf der anderen Seite jedoch steht die Locke für das Romantische und Jugendlich-Unschuldige wie bei Engelslocken.

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Abb. 2: Marie Antoinette, Medaillon mit Porträtminiatur von Charles-Henri Desfossez (1764-1809) und Haarlocke der Königin, Undatiert, Privatsammlung

Beitrag von Olcay Karausta/Redaktion

Quellen:
Bolt, Nina: Haare – Eine Kulturgeschichte der wichtigsten Hauptsache der Welt, Bergisch-Gladbach: Bastei Lübbe, 2001, S. 108, S. 211, S. 217.
Peters, Imke B.: Es wächst auf dir – Unterhaltsames, kurioses, amüsantes, wissenswertes über Haare, Stam, S. 45 und S. 114.
Flocke, Perta; Nössler, Regina; Leibrock, Imken: Haare, Tübingen: Konkursbuchverlag 1999, S. 44, S. 53.
Mayr, Daniela F.; Mayr, Klaus O.: Von der Kunst, Locken auf Glatzen zu drehen – Eine Illustrierte Geschichte der menschlichen Haarpracht, Frankfurt am Main: Eichborn 2003, S.115.

Abbildungen:
Abb. 1: picture alliance / Heritage Image, Quelle: http://www.welt.de/wissenschaft/article135374046/Haarverlaengerung-gab-es-schon-in-der-Antike.html (abgerufen am 2.2.2015).
Abb. 2: http://www.kunst-fuer-alle.de/deutsch/kunst/kuenstler/kunstdruck/marie-antoinette/18229/1/121617/marie-antoinette,-medaillon-mit-haarlock/.

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