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Haarige Mode

„I’m as free as my hair
I’m as free as my hair
I am my hair
I am my hair“

Lady Gaga besingt in ihrem Song Hair die Freiheit, den Individualismus und die Selbstermächtigung, die durch die Möglichkeit des ständigen Wechsels der Frisuren symbolisiert werden. Anlässlich ihrer Tournee zum Album Born this Way in Hong Kong zeigte sich der Popstar, der für seine extravanganten Inszenierungen bekannt ist, dementsprechend in einem bodenlangen, pastell-violetten Haarkleid vom Londoner Modeschöpfer Charlie le Mindu (Abb. 1). In diesem Kleid aus Echthaar performte sie auf der Bühne ihr Hair-Lied.1

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Abb. 1: Lady Gaga im Haarkleid auf ihrer Tournee zum Album Born this Way in Hong Kong, 2012

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Abb. 2: Pablo Kümin: Hair Affairs, 2011 (Foto: Marie-Louise Cadosch)

Wie populär Haarkleider sind, zeigt sich daran, dass der schweizer Künstler Pablo Kümin (Abb. 2) als „Swiss Young Hairstylist of the Year 2012“ für seine Haarkleider ausgezeichnet wurde.2 Er ist nicht nur Haarstylist, sondern er kreiert auch eine Haarkleiderkollektion aus echtem Haar und aus Kunsthaar. Um die Haarmodekreationen realisieren zu können, nutzt er Haarverlängerungen und Extensions.

Haarkleider sind eine neue Moderichtung, die von Pablo Kümin erfolgreich aufgegriffen wird (Abb. 3/4). Für den „Hairdressing Award“ entwarf er vier Kleider in der Kategorie ,Avantgarde‘. Zwei von ihnen wurden aus Echthaar gefertigt und die anderen beiden sind aus Kunsthaar. Die Reißfestigkeit und Haltbarkeit des Materials Haar bietet sich geradezu als ,Faden‘ des Kleides an. Da alles handwerklich gefertigt wird, ist die Produktion sehr zeitintensiv. Diese Kleider sind jeweils Einzelstücke und werden als Kunstobjekte inszeniert. Modedesign, Kunst und Haarbranche werden in diesen Entwürfen gleichsam miteinander verknüpft.

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Abb. 3: Pablo Kümin: Kollektion Human Textile, 2012

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Abb. 4: Pablo Kümin: Kollektion Human Textile, 2012

Eine Kunstrichtung, die auch der Modedesigner Alexander McQueen in seiner Kollektion Eshu aus dem Jahr 2001 etabliert und in der Ausstellung Savage Beauty im Metropolitan Museum in New York ausgestellt wird (Abb. 5). Die Kollektion bezieht sich laut McQueen auf die Yoruba in Westafrika.3 Dabei inszeniert er einen romantisierenden Exotismus, in dem in problematischer Weise das ,Afrikanische‘ mit dem ,Primitiven‘ gleichsetzt wird und die ,westliche‘ Mode mit dem Modernen, aber auch zugleich miteinander verschmilzt, wie Neelika Jayawardane schreibt:

„In Eshu – “inspired” by the Yoruba people and the synonymous deity – the “tribal details” of horsehair, skin, and skull are tailored so precisely with beadwork and luxurious fabrics that the locations on which the two meet are impossible to critique. So surgically exact are the constructions that the inherent primitivism referenced in these pieces enters the technological and modern in weirdly seamless ways.“4

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Abb. 5: Alexander McQueen: Kleid Eshu, Herbst/Winter 2000–2001, Yellow glass beads and brown horsehair Courtesy of Alexander McQueen, Foto: Sølve Sundsbø / Art + Commerce

Beitrag von Ilknur Özcan/Alexandra Karentzos

1 Das Kleid wurde aus Echthaaren des österreichischen Haarverlängerungs-Experten Hairdreams gefertigt hat einen geschätzten Wert von etwa 100.000 Euro. Vgl. http://www.friseur.com/lady-gaga-traegt-erneut-kleid-aus-hairdreams-haaren.html und http://www.fashionpaper.ch/fashion/das-neue-extravagante-haarkleid-von-lady-gaga/ (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
2 Vgl.Urs Huebscher: „Pablo Kümin – Swiss Young Hairstylist of the Year 2012“, in: http://www.attika-magazin.ch/front_content.php?idart=64 (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
3 Vgl. Andrew Bolton (Hg.): Alexander McQueen: Savage Beauty, Ausst.-Kat. Metropolitan Museum of Art, New York: Metropolitan Museum of Art 2011, Siehe auch die Homepage zur Ausstellung: http://blog.metmuseum.org/alexandermcqueen/dress-eshu/ (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
4 Neelika Jayawardane: „On Alexander McQueen’s “Savage Beauty” at the Metropolitan Museum of Art“, 30.05.2011, In: http://africasacountry.com/locust-couture/ (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).

Abbildungsnachweise:
Abb. 1: http://www.fashion-insider.de/wp-content/uploads/2012/05/lady-gaga-purple.jpg (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
Abb. 2: http://www.attika-magazin.ch/front_content.php?client=4&lang=2&parent=11&idcat=22&idart=64 (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
Abb. 3: http://www.pablo-kuemin.com/index.php?id=1&g=hd1 (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
Abb. 4: http://www.balmainhair.com/de/hair-extensions/news/news-article/article/balmain-hair-kleider-von-pablo-kuemin.html (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).
Abb. 5: http://blog.metmuseum.org/alexandermcqueen/dress-eshu/ (zuletzt abgerufen: 21.10.2014).

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